Mahdzeitpunkt und Häufigkeit

Häufigkeit und Zeitpunkte der Mahd ergeben zusammen einen bunten Strauß der Möglichkeiten - der sich in der Praxis auch durchaus wiederfindet. Die oft geäußerte Kritik, Wegränder würden zu oft gemäht, ist heute oft nicht mehr berechtigt. Allein aus Gründen der Kostenersparnis haben viele Kommunen die Pflegeintensität im Außenbereich deutlich reduziert, auch wenn es durchaus regionale Unterschiede gibt und nicht selten Landwirte dieses "Defizit" ausgleichen.

Spätsommerliche Blüte nach einer Mahd im Mai.

Problematischer ist, dass der Zeitpunkt der Pflege sich oftmals nicht an ökologischen Kriterien orientiert, sondern nach der Verfügbarkeit von Personal und Gerätschaften. Eine frühe Mahd im Mai gefährdet Bodenbrüter und ist ebenso fatal wie eine Mahd im August, weil damit in intensiv genutzten Landschaften oft die einzigen blütenreichen Strukturen zerstört werden.

Eine Übersicht über Vor- und Nachteile verschiedener Pflegezeitpunkte gibt die folgende Tabelle:

Zeitpunkt der Mahd Ökol. Auswirkungen Wirtschaftliche Aspekte Verwertung des Mähguts Sonstiges
1. Mahd Mai Krautige Wiesenpflanzen und auch Insekten sind teilweise an diesen Mahdzeitpunkt angepasst
Zweiter Blühaspekt im Spätsommer
Bei Abräumen des Materials guter Ausmagerungseffekt
Geringes Blütenangebot im Frühsommer
Gelegeverluste bei Bodenbrütern
Larvenstadien und Adulte von Insekten werden vernichtet
Meist 2.Schnitt erforderlich Nutzung als Heu oder energetische Verwertung ggf. möglich Zur Verkehrssicherung an stärker befahrenen Straßen nur Bankette mähen (Intensivbereich),
Extensivbereich als Rückzugsmöglichkeit für Tiere belassen
An wenig befahrenen Wegen Kreuzungen und niedrige Schilder freimähen
1. Mahd Mitte Juni-Juli Frühblüher können teilweise aussamen
Krautige Wiesenpflanzen und teilweise auch Insekten sind an diesen Mahdzeitpunkt angepasst
Bei Abräumen des Materials noch  Ausmagerungseffekt 
Blütenverlust bei später blühenden Pflanzen
Verlust von Jungtieren
Noch Gefahr von Gelegeverlusten
2.Mahd an stärker frequentierten Straßen im Intensivbereich erforderlich Nutzung als Heu oder energetische Verwertung ggf. möglich 2. Mahd zur Ausmagerung oft sinnvoll
1. Mahd September-Oktober Pflanzen können aussamen
Ab Juli oft Rückgang des Blütenangebots
Überwinterungsstadien von Insekten werden zerstört
kaum Ausmagerungseffekt
Nur ein Schnitt erforderlich Kaum Futterwert, nur als Einstreu nutzbar,
Vergärung wegen höheren Ligninanteils schwierig
Nicht komplett mähen, sondern Streifen als Rückzugs- und Überwinterungsquartier stehen lassen
Keine jährliche Mahd Rückzugs- und Überwinterungsorte für Tiere bleiben erhalten
Nährstoffzeiger nehmen oft zu
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Keine Mahd Verbrachung, meist verbunden mit Rückgang des Blütenangebots  Spätere Pflege i.d.R.  aufwendiger - -

Geschützter Knopf im Saum

In einigen Bereichen des Rhein-Sieg-Kreises dürfen nach einer Vereinbarung zwischen der Unteren Landschaftsbehörde und Gemeinden die Wegsäume und -gräben nicht zwischen dem 1. Juni und dem 15. September gemäht werden. Grund: In den Säumen wächst der Große Wiesenknopf. Er ist Nahrungspflanze der Raupen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, der in NRW vom Aussterben bedroht ist.

Lästige Randerscheinung:

Jakobs-Kreuzkraut Das Jakobs-Kreuzkraut hat sich im Extensivbereich von Straßen- und Wegrändern stellenweise ausgebreitet. Offene Bodenstellen und eine späte Mahd ermöglichen es dem Korbblütler, sich auszusäen. Das Jakobs-Kreuzkraut ist eine einheimische Pflanze, die sowohl im frischen als auch im geheuten Zustand vor allem für Pferde giftig ist. Eine Bekämpfung der Pflanze an Wegrändern erscheint schwierig, vielmehr gilt es durch eine angepasste Bewirtschaftung der angrenzenden Wiesen und Weiden zu verhindern, dass die Art dort Fuß fassen kann. Wo sich größere Bestände an Wegrändern im Umfeld von Pferdeweiden etabliert haben, kann eine gezielte Bekämpfung erforderlich sein. Hinweise hierzu enthält die vom LANUV und der Landwirtschaftskammer NRW herausgegebene Broschüre: Jakobskreuzkraut - eine Giftpflanze auf dem Vormarsch.